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Lotte und ich haben den Wesenstest bestanden!

Ein Erfahrungsbericht von Andrea

Lotte
Die 1. Vorsitzende der Tierärztekammer der Hansestadt Hamburg, Frau Dr. Schöning, kam zu mir nach Hause. Diesmal ohne ihre zwei Mitarbeiterinnen, so daß ich selbst die Kamera gehalten habe, mit der alles aufgenommen wird. Diese Aufzeichnungen bleiben bei ihr, da sie sie zur Erstellung des Gutachtens nochmals genau anschaut und dann für eventuelle Nachfragen gesichertes Material hat. Auch die Tester müssen Rechtssicherheit haben. Ich hatte eine Zeugin hinzugezogen, was begrüßt wurde, und habe meine Einverständniserklärung unterschrieben. Sonst dürfte sie ja nicht in meiner Wohnung filmen.
Als erstes hat sie sich mit Hilfe von Naschis (am besten selbst Würstchenstücke schneiden) mit "Lotte" bekannt und bei ihr beliebt gemacht. Sie hat dann geprüft, ob sie sich anfassen läßt, in die Zähne sehen läßt, auf den Rücken drücken, das Hinterteil leicht anheben, etc. "Lotte" war unsicher, verzog sich in Richtung Korb und sie folgte. Dort hat sie sie wieder ausgiebig betatscht und umarmt. Mochte "Lotte" nicht, hielt aber still. Dann wieder Aufmunterung und Naschis. Sie hat ein Naschi ganz hoch gehalten, so daß "Lotte" gerade heran kam. Sie ist nicht gesprungen, sondern hat an den Fingerspitzen geleckt. Dann wieder Belohnungen und plötzlich warf sie ein Naschi hinter sich durch die Beine und versperrte dem Hund den Weg. Das hat sie solange gemacht, bis der Hund sich hinsetzte oder ablegte und aufgab, den Weg um sie herum zu suchen. (Nach ihrer Aussage scheinen vor allem Bullterrier sie auszutricksen und sind schneller.)

Sobald der Hund das tat, gab sie den Weg frei. Dieses Spielchen hat sie mehrfach wiederholt. Der Hund sollte unter Streß gesetzt werden, was auch gelang. Dann wieder Naschis und wildes Geklicker vor der Schnauze mit einem Klicker und einem Kugelschreiber. Der Hund wurde mit lautem Click an der Schnauze mit der Rückseite des Kugelschreibers berührt, ließ sie es sich gefallen, gab es ein Naschi. Wich der Hund aus, folgte sie und hielt immer den ausgestreckten Arm der Schnauze entgegen. Sobald der Hund wieder eine Annäherung wagte, gab es ein Naschi.

"Lotte" fand das schrecklich und wich aus, sie immer hinterher. Sogar einmal bis ins Schlafzimmer; alles spielte sich vorher im Wohnzimmer ab. Jeder Rückzug, auch hinter meine Beine, wurde akzeptiert. Das hat einige Zeit gedauert. Dabei fixiert sie den Hund ständig. Sollte der Hund sich aufbauen und anfangen zu drohen, bricht sie ab.
Lotte
Danach haben wir noch einiges besprochen, was den weiteren Test betraf und einen Termin für den Hundeplatz ausgemacht. Sie hat sich der annähernden "Lotte" wieder freundlich zugewandt und sie belohnt. Ich kann jedem nur unwiderstehliche Naschis empfehlen, damit der Hund Lust hat wieder in Kontakt zu treten und sie nicht in schlechter Erinnerung behält. Der Test geht ja noch weiter.
Freitagnachmittag dann Treffen auf dem Hundeplatz eines Boxerclubs. Mit uns waren dort eine Freundin mit BX Hündin "Diva", ein AmStaff Rüde "Odin", ein BM Rüde "Bandito", ein BX Rüde "Cäsar" und ein Mastiff-Hoverwart Rüde "Dicker". Zwei Gruppen zu je 3 Hunden wurden eingeteilt. Die, deren Hunde sich kennen, wurden getrennt. Kurzes Aufwärmen auf dem Platz, sprich, Herumgehen, Sitz und Platzübungen. Dabei war die Testerin neben dem Hund und hat ihn zufällig mal berührt. Da wir in einer Hundeschule trainieren, war die Situation bekannt und trug eher zur meiner Entspannung bei, da "Lotte" wußte, was man da so üblicherweise von ihr will.
Dann ging es los. Der Test staffelt sich in drei Kategorien und dauert 3 Stunden. Es waren auch Zaungäste zugegen, die manchmal als Probanden mitmachen durften. 3 Hunde stellten sich mit großem Abstand zueinander auf den Platz. Die Hunde sollten keinen haben. Mit ein paar Übungen wurde die Folgsamkeit getestet. Absitzen und dann Ranrufen und Schlangenlinien um die anderen Hunde laufen. Dann wurde ein laut kläffender Rüde an den Hunden vorbeigeführt. Das war alles total harmlos und undramatisch. Dann kam eine Person mit Hut und langem Mantel auf den Hund zu und hat ihn fixiert. "Lotte" schob den Po hinter meine Beine und knurrte um die Ecke. Der AmStaff hat die Person angespielt, was uns zum Lachen brachte. Das hat die Atmosphäre sehr gelöst. Und der Mastiff-Mix hat nicht mal hingesehen, was im weiteren seine Taktik war, egal was für einen Affentanz sie veranstaltet haben. Dann kamen Spaziergänger die humpelten und stolperten. Dann wieder jemand, der uns begrüßte und den Hund streichelte. Da einige Hunde leicht gestreßt waren, wurde so immer wieder ihre Bereitschaft zur Kontaktaufnahme getestet. Dann wurde es heftig. Der Hund wurde massiv angeschrien und beschimpft. Dabei ist ein Drohen durchaus erlaubt. Ebenso Bellen, aber der Hund sollte abrufbar (Sitz oder Platz) sein und sich wieder beruhigen lassen.
Große Lacher wieder für den verspielten "Odin" und den gelangweilten "Dicker". Weiter ging es mit einem aufgespannten Regenschirm, einer torkelnden Person und jemand, der ganz eng an den Hund herangeht und mit dem Bein etwas einengt. Dann wieder eine Sequenz mit anschreien, diesmal mit erhobener Faust. Bei allen Hunden wieder die gleichen Reaktionen. Meine "Lotte" wieder fletschend, aber im Rückzug. Kein Hund wurde echt ausfallend, sondern alle reagierten völlig normal, oder eben gar nicht aggressiv.
Lotte
Danach ging man mit dem Hund auf eine Gruppe von Personen zu, die uns entgegenkamen und bei uns anhielten, dann weitergingen. Das gleiche mit Einkreisung, so wie im Fahrstuhl. Vorbeigehen an einer liegenden Person, die aufspringt und losläuft, von dem Hund weg. "Lotte" hat sich einfach nur erschrocken. Dann ein paar Tests mit Knall- und Klappergeräuschen. Wenn überhaupt, gab es erschrockene Hunde. Jetzt forderte eine Person den Hund mit Seil und Kong zum Spielen auf. Der Hund soll freudig spielen und auf Kommando des Besitzers aus lassen. Das klappte auch bei allen prima und entspannte die Hunde. Danach wurde ein großes Stück Stoff über den Hund gelegt und weggezogen, so wie ein flatternder Rock oder langer Mantel.
Danach kurze Pause und der nächste Teil folgte: Der Hund wurde an einen Pfosten gebunden und der Besitzer geht außer Sichtweite. Der Hund bleibt einige Minuten allein, dann kommt wieder der Hut-und Mantel -Mensch zum Drohfixieren. Ohne Besitzer waren fast alle Hunde eher defensiv. Nur ein BX-Rüde war davon echt genervt und bellte kräftig. Das war aber total okay. Dann wurde noch ein jeweils gleichgeschlechtlicher Hund vorbeigeführt und die Hunde wollten davon nicht viel wissen. Es wurde danach der Hund vom Halter um eine Ecke geführt, hinter der ein Frau mit Schrubber wartete und ihn "anschrubberte". Alles so nachgestellte Alltagssituationen.
Im letzten teil gingen wir auf die Straße und wurden mit Joggern, Radfahrern, Skatern, Mann mit Blindenstock etc. konfrontiert. Auch das alles problemlos. Die Person mit Basketball fanden alle Hunde am besten. Auch ein Kinderwagen mit Babygebrüll erzeugte keine Reaktion. Nichtmal, als er schnell und mit "auf die Pfote fahren" an die Hunde gelenkt wurde. Danach noch mal Heranführen an gleichgeschlechtliche Hunde hinter einem Zaun. Selbst die Rüden, die am Anfang andere angeknurrt hatten, waren jetzt so groggy, daß der andere Hund ihnen egal war.
Lotte
"Odin" mußte noch ein paar Tests mitmachen, bei denen Schlüsselreize von Pit-Hunden, also zum Kampf mißbrauchten Hunden, geboten wurden. Mit seinen 7 Jahren hat ihn auch das Feuerzeug nicht irritiert.
Es war hart und langwierig, aber fair. Alle haben bestanden. Ich denke, jeder der seinen Hund nicht in totaler Isolation hält, wird damit fertig, denn die meisten Prüfsequenzen sind Alltagssituationen. Man versucht hier einfach so viele Schlüsselreize und Provokationen zu bieten, daß ein wirklich aggressiver Hund dann auch reagiert. Allerdings werden bei denen, die sich zum Test melden, kaum Hunde dabei sein, die herausfallen, denn deren Besitzer gehen nicht dort hin.
Ich war seitdem bei mehreren Prüfungen als Zuschauer und Mitspieler dabei und habe nie etwas Unfaires oder Extremes dort erlebt. Nicht von den Prüfern und auch bei keinem Hund. Am belastbarsten erschienen mir immer die AmStaffs, obwohl ich es bei den Molossern erwartet hatte. Die waren eher defensiv und eingeschüchtert, wo die AmStaffs noch Annäherungen probierten und spielten. Soviel zu dem Unfug der Rassenlisten. Ich werde weiterhin daran teilnehmen, um mich zu informieren, alle Molosserleute kennen zu lernen und eventuell mal zu beruhigen und Tips zu geben. Frau Dr. Schöning hat sich als sehr kompetent und nett erwiesen und ich kann die Prüfung bei ihr uneingeschränkt empfehlen.

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